• Kutane Metastasen, Haut, Tumor, Dermatologie

     

Kutane Metastasen - Klinik, Histopathologie und spezielle Marker

Tumoren an der Haut stellen ein wichtiges Teilgebiet der Dermatologie dar und umfassen eigentliche Hauttumoren, aber auch Metastasen von Malignomen innerer Organe, deren Diagnose wichtig ist. In diesem Artikel werden Klinik und Histopathologie zusammen mit der immunhistochemischen Differenzialdiagnose vorgestellt.

Ca. 2 - 5 % aller Malignom-Fälle führen zu Hautmetastasen, meist erst im Spätstadium. Bei weitem am häufigsten sind Mammakarzinome (bei Patientinnen) gefolgt von Lungenkarzinom, kolorektalem Karzinom, Ovarialkarzinom, malignem Melanom, Kopf-Hals-Karzinom, Nierenzellkarzinom und dem Magenkarzinom. Metastasen an der Haut sind bevorzugt am behaarten Kopf, Thorax und der Nabelregion, oft in Abhängigkeit vom Primärtumor. Klinisch handelt es sich um kutan/subkutan rasch wachsende Tumoren von mäßiger bis fester Konsistenz, plaque-artige Infiltrationen und granulomatöse Tumoren. Die Nichtbeteiligung von Epidermis und die freie subepidermale Dermis sprechen für eine kutane Metastase und gegen einen primären Hauttumor. Die Klärung wird in vielen Fällen durch spezielle tumor-typische Marker erreicht. Wir haben zwischenzeitlich eine große Zahl gut definierter immunhistochemischer Marker für Zell- und Tumortypen zur Verfügung, die entscheidend dazu beitragen, den Primärtumor mehr oder weniger einzugrenzen oder gar zu identifizieren. Dadurch werden unseren Patienten viele Untersuchungen - teils auch invasive - erspart. 

Ein wichtiges Teilgebiet der Dermatologie in der täglichen Praxis sind die Hauttumoren. Neben einer Vielfalt epidermaler, adnexabgeleiteter, melanozytärer oder mesenchymaler Tumoren sollte auch an die Möglichkeit einer Hautmetastase eines Malignoms innerer Organe gedacht werden. Für die Therapie und Prognose ist dies von entscheidender Bedeutung.

In dieser kurzen Übersicht sollen Klinik und Histopathologie gegenübergestellt werden. Besonderes Gewicht kommt dabei der immunhistochemischen Differenzialdiagnose zu, für die eine zunehmende Zahl gut definierter Marker für den Zell- und Tumortyp zur Verfügung stehen. Durch die Synopsis von klinischem Befund, konventioneller Histopathologie und immunohistochemischem Markerprofil lässt sich der Primärtumor mehr oder weniger eingrenzen oder sogar identifizieren.

Klinik und Epidemiologie

Jedes Malignom kann prinzipiell in die Haut metastasieren, was allerdings nur in 2 - 5 % aller Fälle geschieht. Dies ist relativ selten, bedenkt man, dass die Haut das größte Organ des Menschen ist und eine sehr gute Blutversorgung aufweist. Die Metastasierungswege sind hämatogen oder lymphogen. Die hämatogene Metastasenbildung verläuft in der Regel über eine Lungenpassage, manchmal über spezielle venöse Verbindungen. Die lymphogene Metastasierung erfolgt retrograd. Bemerkenswerterweise stimmt die Inzidenz der Metastasen nicht mit der der Primärtumoren überein. Am häufigsten (ca. 2/3 aller Fälle) treten Hautmetastasen bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom auf. Es folgen - bei beiden Geschlechtern - das Lungenkarzinom, das kolorektale Karzinom, das maligne Melanom, das Kopf-Hals-Karzinom, das Nierenzell-Karzinom und das Magenkarzinom. Bei Frauen ist noch das Ovarialkarzinom häufig.

Üblicherweise stellen kutane Metastasen ein spätes Ereignis im Verlauf der Tumorkrankheit dar und sind ein Zeichen für eine kurze Überlebenszeit des Patienten, die meist nur noch wenige Monate beträgt. Allerdings können kutane Metastasen auch Erstmanifestation eines Malignoms sein, insbesondere bei Primärtumoren der Lunge, der Niere und des Ovars; dann ist naturgemäß die histopathologische Differenzialdiagnostik von großer Bedeutung für die Identifikation des Primärtumors.

Generell ist die Lokalisation an der Haut nicht arbiträr, sondern es bestehen Prädilektionsstellen, die vom Primärtumor abhängig sind. Die Rumpfhaut ist oft betroffen; hier sind Mammakarzinom-Metastasen besonders häufig, für die ein lymphogener Metastasierungsweg angenommen wird. Die Nabelregion ist häufig von kutanen Metastasen befallen, insbesondere bei abdominellen Karzinomen, die dann Schwester-Mary-Joseph-Knoten genannt werden. Auch die Kopfhaut ist ein häufiger Metastasierungsort (bis zu 13 % aller Hautmetastasen), wahrscheinlich wegen ihrer guten Vaskularisation. Besonders zu erwähnen sind Tumorabsiedelungen im Bereich von Drainage- oder Endoskopie-Kanälen und in Operationsnarben bei abdominellen oder gynäkologischen Karzinomen.

Klinisch handelt es sich meist um solitäre oder multiple, rasch wachsende Tumoren von mäßig fester Konsistenz, die selten - wenn überhaupt - ulzerieren. Seltener sind Plaque-artige Infiltrationen und granulomatöse Tumoren.

Aufgrund der uncharakteristischen Klinik kann die Diagnose in der Regel erst histopathologisch gestellt werden. In der üblichen HE-Routinefärbung sprechen generell eine Nichtbeteiligung der Epidermis und Adnexe und eine freie subepidermale Dermis für eine kutane Metastase und gegen einen primären Hauttumor. Eine Klärung wird insbesondere durch die Immunhistochemie mit speziellen Tumor-typischen Markern erreicht.

Adenokarzinome

Sie machen mehr als 60 % aller Hautmetastasen aus und können von vielen Organen ausgehen. Ihre Zuordnung zum jeweiligen Primärtumor bzw. Ursprungsorgan kann sehr schwierig sein. Bei der Frau verursachen Mammakarzinome die Mehrzahl aller kutanen Metastasen überhaupt. Beim häufigsten Typ, dem invasiven duktalen Mammakarzinom, herrschen in der Dermis proliferierte, kohäsive Tumorzellverbände aus soliden Trabekeln und Tubuli vor. Das Stroma kann unterschiedlich ausgeprägt sein, auch desmoplastische Stromabildungen kommen vor, die ein Mammakarzinom vermuten lassen. Die Diagnose eines Mammakarzinoms kann an der Metastase immunhistochemisch bestätigt werden, und zwar durch den Nachweis des typischen apokrinen Markers, Gross Cystic Disease Fluid-Protein-15 (GCDFP-15), der in bis zu 85 % der Fälle von Mammakarzinomen positiv ist und durch den Nachweis des Östrogenrezeptors, der in bis zu 75 % der Fälle positiv ist. Beide Marker zusammen ergeben eine hohe Sensitivität. Schwierig kann die Abgrenzung von Schweißdrüsenkarzinomen sein, die häufig diese beiden Marker ebenfalls exprimieren. Hier kann die Expression des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGF-R) weiterhelfen, dessen Positivität mehr für ein Schweißdrüsenkarzinom spricht. Invasive duktale Mammakarzinome sind positiv für das epitheliale Zelladhäsionsmolekül E-Cadherin.

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Aus der Zeitschrift: Aktuelle Dermatologie 12/2005

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